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Deutsche Interessengemeinschaft Schwimm- und Geländefahrzeuge

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Treffenberichte

Winterreise mit alter Technik nach Norwegen von Paul Jung, Essen

 

oder "wie bekloppt muß man eigentlich sein, um im Winter mit dem Motorrad nach Norwegen zu fahren ???"

Heinz Staak, Eberhard Sprenger, Dieter Bremecker und ich waren im Januar 2001 zum ersten Mal mit zwei BMW R75 und meinem Russengespann zu einer Reise in den norwegischen Winter aufgebrochen. Wir besuchten die SavalenRally, wo sich bereits seit Jahren etliche winterfeste Motorradleute aus ganz Europa in Mittelnorwegen treffen. Diese erste Winterreise hatte uns sehr gut gefallen und wir "schlugen die Trommel", um für unsere zweite Wintertour noch weitere Mitfahrer zu werben.

Nach einigem Hin und Her fanden sich dann letztendlich elf Leute zusammen, die dem Winter 2002 trotzen wollten. Neben Heinz, Eberhard und mir kamen als Winter-Novizen meine Frau Roswitha, unser Freund Peter Vogt aus Stadtlohn, Stefan und Kerstin Graf aus Wuppertal, Thomas Neumann mit seiner Freundin Conny aus Spremberg und Elsa und Christian Kemper aus Hemer, die ihre drei Kinder von ein, drei und fünf Jahren bei diversen Verwandten "parken" konnten, zu der außergewöhnlichen Reise zusammen.

Eberhard fuhr mit seinem VW166-Schwimmwagen von 1943 und hatte den Thomas und die Conny als Beifahrer. Heinz, Christian und Stefan fuhren mit ihren BMW R75 von 1942 bis 1944, Peter und ich fuhren mit unserem russischen Alteisen von Dnepr und Ural.

Am 18.01.02 begann unsere Winterreise auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte Münster-Süd. Von dort ging es zu unserem ersten Zwischenziel nach Gettorf in der Nähe von Kiel.

Carsten Messer und seine Eltern hatten dort für uns schon Zimmer im Hotel Stadt Hamburg reserviert und uns eine Abstellfläche für unsere Zugfahrzeuge besorgt. Nachdem alle Fahrzeuge abgeladen und unser gesamtes Gepäck verstaut war, gingen wir zum gemütlichen Teil des Abends über. Vielen Dank nochmals an Familie Messer für die gezeigte Gastfreundschaft.

Am 19.01.02 ging es vormittags nach dem üppigen Frühstück in aller Gemütlichkeit los. Einzige Aufgabe war es, von Gettorf die rund 20 Kilometer nach Kiel zu kommen und dort gegen 14.00 Uhr an der Fähre zu sein. Aber leichter gesagt als getan. Was noch nicht verstaut war, war unsere


gesamte Futterage. Da wir geplant hatten, uns an etlichen Tagen selbst zu verpflegen, kam da für elf Leute schon einiges zusammen.

Letztendlich waren zwei Zargesboxen randvoll und verschwanden bei Heinz und Peter in den Beiwagenbooten. Dann ging es endlich los Richtung Kiel. Aber oh Schreck, bei Christians BMW riß der Kupplungszug ab. Das fängt ja super an, dachte der ein oder andere. Ruckzuck war das Ding gewechselt und es ging ab Richtung Kiel. An einer Tankstelle wurde noch der Vorrat an Glühwein ergänzt und dann standen wir am Norwegen-Kai der Color-Linie und warteten auf die Abfertigung. Das Wetter war alles andere als kalt und wir transpirierten in unseren Thermoklamotten so vor uns hin.

Endlich ging es in den Schiffsbauch in den tiefst möglichen Keller, wo die Gepanne und der Schwimmer dann ihr Plätzchen angewiesen bekamen. Jetzt war das Greifen der Übernachtungsklamotten und das Suchen der gebuchten Kabine angesagt. Endlose Treppen waren zu überwinden, weil die Aufzüge total überfüllt waren und wir möglichst schnell aus unseren Winterklamotten raus wollten. Nach kurzer Zeit war alles gefunden, wir hatten uns "entblättert" und konnten in aller Ruhe bei klarem Wetter die Ausfahrt der Fähre in die Kieler Förde erleben. Einfach herrlich !! Abends haben wir dann das große Buffet genossen und uns anschließend noch in einer der vielen Bars vergnügt und den einschlägigen Dar-bietungen der mehr oder minder begabten Künstler gelauscht.

 Zum Frühstück waren wir dann schon im Oslo-Fjord und Norwegen empfing uns mit Temperaturen um Null Grad und feucht-kaltem Klima. Das war nicht so toll. Nachdem wir alle Winterklamotten wieder an hatten, versammelten wir uns im Tiefkeller bei unseren Fahrzeugen und warteten sehnsüchtig darauf, endlich wieder da raus zu kommen. Neben unsere Gruppe gab es da auch noch etliche andere Motorradleute, die Richtung Norden wollten und uns eigentlich nur mitleidig belächelten mit unserem "Wehrmachts- und Russenschrott". Interessant war dann aber, daß unsere Moppeds in der Fähre nach dem ersten Tritt zum Leben erwachten, aber ein supermodernes BMW-Gespann mit über 100 PS angeschoben werden mußte, weil irgendwie die Batterie alle war.

Endlich waren wir dann aus der Fähre raus und der Zoll interessierte sich für unsere mitgenommenen Alkoholika überhaupt nicht. Raus aus dem Hafen, ab auf die Stadtautobahn und Richtung NordWesten aus der Riesenstadt raus. Nach rund sechzig Kilometern zweigte dann unsere Route ab auf eine eher wenig befahrene Straße, die endlos lang an einem See entlang führt. Diese Straße war ideal für die Mitfahrer, die noch nicht im Winter in

Norwegen waren und die das Fahren auf schnee- und eisglatten Straßen noch etwas trainieren mußten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten waren dann aber alle Fahrer "gut drauf" und unsere kleine Kolonne fuhr immer weiter Richtung Dokka. In dieser Ortschaft war unser erstes Nachtquartier geplant. Es gibt dort eine Hüttenvermietung mit wirklich guten Winterhütten, die wir auch schnell gefunden hatten. Zwei Hütten wurden bezogen und die tagsüber eher wenig geforderte "Begleitfrauschaft" begann mit der Zubereitung des Essens. Da es bereits gegen 15.30 Uhr nahezu dunkel war, blieb wirklich genug Zeit, sich ganz gepflegt den ein oder anderen Cognac oder sonstwas einzuflößen.

Christian und Stefan erkundeten mit ihren R75 noch die Winterfahrtauglichkeit im Tiefschnee auf einem nahegelegenen Sportplatz, kamen aber nach kurzer Zeit mit vor Anstrengung hochroten Köpfen wieder zurück. Über 500 Kilo Wehrmachtseisen aus den Schneeverwehungen rauszuheben strengt schon an. Die an Stefans frisch gemachter BMW zu hörenden mahlenden Geräusche aus dem Bereich Kurbelwellenlager wurden erst einfach ignoriert und dann in Alkohol aufgelöst. Es wurde ein in der Tat berauschender Abend und wir hatten sehr viel Spaß !!!!!

Am nächsten Morgen wurde umfassend gefrühstückt, alle Klamotten wieder verzurrt und dann ging es weiter

Richtung Gebirge. Während wir uns am ersten Tag an das Fahren auf Eis und Schnee gewöhnen konnten, mußten wir uns jetzt darauf konzentrieren, nicht zu viel Gas zu geben um die Kisten gerade bergauf zu bekommen und bergab konnten wir das richtige Bremsen üben. An einer der ersten richtigen Steigungen legte Stefan an seiner BMW dann die Schneeketten auf, um anschließend sicherer fahren zu können. Am frühen Nachmittag erreichten wir dann unser Tagesziel, den Hüttenpark in Lemmingshögda, einem wunderschön gelegenen Platz im wahrsten Sinne des Wortes am Ende der Welt, weil die Straße nach Lillehammer dort in erheblichen Schneeverwehungen endete.

Nach einiger Wartezeit tauchte dann auch der Platzverwalter auf und wies uns unsere Hütten zu. Diese Hütten glänzten durch vorhandene Kaminöfen, die dann auch nach kürzester Zeit angefeuert waren und die Unterkünfte mit ihrer wohligen Wärme durchstrahlten. Eberhard wollte die ganz besondere Wintertauglichkeit des Schwimmers vorführen und die schneeverwehte Straße noch ein Stück weiter erkunden, versackte dann aber hoffnungslos in den weißen Fluten. Wir haben dann versucht den Schwimmer mit zwei aneinander geschnallten Gespannen wieder flott zu bekommen, leider ohne großen Erfolg. Der Platzchef hat den Schwimmer dann mit dem Traktor wieder auf festen Untergrund gezerrt und wir haben uns dann in die Hütten begeben und den Abend wie den vorherigen sehr lustig begangen.

Der nächste Tag begrüßte uns mit herrlichstem Sonnenschein und Temperaturen so um 18 Grad minus. Unsere Moppeds sprangen alle klaglos an. Auch der Schwimmer nahm unverzüglich seine Arbeit auf. Unser Tagesziel war das Ringebu-Fjell. Über kleine mautpflichtige Waldstraßen und sonstige Nebenstraßen erreichten wir nach einer landschaftlich ganz tollen Fahrt bei gleißendem Sonnenschein am Nachmittag dann den Hüttenpark am Ringebu-Pass. Die schon eher große Stadt Lillehammer umfuhren wir sehr geschickt.

Unser lieber Thomas Neumann aus Spremberg bewährte sich als erstklassiger

Navigator und fand immer wieder noch schönere Nebenstraßen. Als Beifahrer in Eberhards Schwimmer hatte er natürlich auch gute Gelegenheit dazu, die Landkarte entsprechend zu deuten.

Besonderen Spaß machten die diversen Pinkel- und Kaffeepausen. Insbesondere unsere Damen verkürzten die "Pinkelzeiten" durch immer besseres Training im Aus- und wieder Anziehen der diversen Bekleidungsschichten vom ersten bis zum letzten Tag unserer Reise ganz erheblich. Die Kaffeezubereitung mit geschmolzenem Schnee hatte auch so ihre Tücken. Um für elf Leute die entsprechende Menge Kaffeewasser heiß zu bekommen, braucht man schon eine ganze Menge Schnee, der in den Kesseln auf den Benzinkochern geschmolzen werden mußte. Übliche Campinggaskocher funktionieren bei den Temperaturen nicht, weil das Gas einfriert. Die mitgenommene eher sehr fettige Salamiwurst am Stück erwies sich als sehr brauchbarer Imbiss, weil sie aufgrund des hohen Fettgehaltes bei den üblichen 15 Grad minus nicht so schnell zu Eis wurde.

Die Hütten am Ringebu-Pass sind eigentlich schon perfekte Ferienhäuser mit mehreren Räumen, komplett eingerichteter Küche inclusive Mikrowelle und Geschirrspüler. Wir haben dort wieder unsere üppige Abendverpflegung genossen und den Abend in beschriebener Art mit viel Spaß verbracht. Ein besonderes Erlebnis war die absolute Stille und der schier endlose Sternenhimmel, den man bei 25 Grad Minus Abends beobachten konnte.

Das Ziel des nächsten Tages war Savalen, wo die Motorradveranstaltung stattfand. Vorher stand uns aber noch die Überquerung des Ringebu-Fjells, einer sehr großen und tief verschneiten Hochebene, bevor. Von unserer Übernachtungsstelle ging es noch einige Kilometer Paßstraße bergauf und dann über das teilweise in Wolken gehüllte Fjell. Auf der Abfahrt vom Fjell Richtung Savalen hatte Peters Ural  

keine richtige Lust mehr. Ein Zylinder wollte nicht so recht arbeiten. Nach anfänglicher Ratlosigkeit wurde der Fehler dann aber doch gefunden und der Russe brummte wieder mit vertrauter Zuverlässigkeit. Dafür wurden die Geräusche in Stefans R75-Motor immer heftiger. Klar war, daß der Motor schwerkrank war und mit Öl gut gepflegt werden mußte. Kraft hatte er genug, bloß rumorte die Kurbelwelle mächtig in ihren Lagern. Heinz und Eberhard mit ihren zusammen sicher sechzig Jahren BMW-Erfahrung rieten zum Weiterfahren, was wir dann auch taten. Am Mittag machten wir dann an einem Rasthaus eine Pause. Als wir die Preisübersicht des Restaurants gelesen hatten, entschieden wir uns blitzschnell, unsere fettige Salami zu essen und Kaffee aus Schnee zu kochen. Wir versammelten uns dazu an einem zugigen Bushaltestellenhäuschen, was aber etwas Schutz gegen den wirklich unangenehmen und eiskalten Wind bei Minus 22 Grad bot.

Nachmittags waren wir dann nach einer herrlichen Fahrt über nahezu endlose verschneite Waldstraßen in Savalen und wurden am dortigen Treffenhotel mit großem Hallo begrüßt. Unsere Fährenbekanntschaften waren natürlich in einem Zug von Oslo über die Schnellstraßen angereist. Wir hatten aber auf den kleinen Straßen garantiert mehr Spaß und mußten uns nicht konstant von LKW überholen lassen. Nach der Anmeldung und Zimmerzuweisung quartierten wir uns ein und verstauten unsere Klamotten. Eine ausgiebige Dusche und das Anziehen leichterer Bekleidung zum Aufenthalt im gut geheizten Hotel machte dann Vorfreude auf einen netten Abend.

Das üppige Abendbuffet war sehr gut und hat allen hervorragend geschmeckt. Wir reservierten uns dann eine umfassende Sitzgruppe vor dem offenen Kamin und ließen uns dort in aller Gemütlichkeit nieder.

Das einzige was die positive Stimmung trübte, war der im-Halse-stecken-bleibende Preis für ein Glas Bier. 10,- D-Mark für 0.5 Liter Bier (das war schon ein Sonderpreis) läßt nahezu jedem den Durst ganz schnell vergehen. Trotzdem haben wir viel gelacht und großen Spaß in gemütlicher Runde gehabt. Als Heinz und Eberhard dann in dem sich langsam füllenden Hotel noch einen Motorradkumpel aus längst vergangener Zeit der Sechziger Jahre wiedertrafen ("bist Du nicht der Heinz aus Wuppertal ? Du hast Dich ja überhaupt nicht verändert in den letzten dreißig Jahren !"), war der Abend mit Geschichten aus der alten Zeit noch viel interessanter.

Die drei Hotel-Tage in Savalen waren wirklich die reinste Erholung. Tagsüber sind wir etwas durch die Gegend gefahren und haben in Tynset (einem kleinen Städtchen in der Nähe) den Supermarkt mit seinen Wahnsinns-preisen besucht oder bei Peters Ural für eine Flasche Schnaps Spikes am Hinterrad einschießen lassen. Dann waren wir mit einer Gruppe moderner Moppeds auf dem Berg Tron, den man über eine extrem steile und schmale Straße bis auf fast 1200 Meter hoch fahren kann. Belohnt wurde die Fahrt durch eine fantastische Aussicht auf die verschneiten Berge und Täler der Region. Abends gab es immer ein ganz hervorragendes und umfassendes kalt-warmes Buffet, was alle Genüsse der norwegischen Küche darstellte. Soviel erstklassigen Lachs in allen denkbaren Zubereitungsarten haben wohl

Küche darstellte. Soviel erstklassigen Lachs in allen denkbaren Zubereitungsarten haben wohl einige von uns vorher noch nicht auf dem Teller gehabt. Es war schon ein eigenes Erlebnis, die tägliche "Schlacht am Buffet". Die Rally-Veranstalter hatte sich für einen Abend den Programmpunkt "Grillen draußen" ausgedacht. An riesigen Holzfeuern wurde gegrillt, was das Zeug hielt. In großen Kesseln wurde der von allen Gästen aus Deutschland mitgebrachte Glühwein erhitzt und massenhaft konsumiert. Während des Erhitzens wurde immer wieder der ausdampfende Alkohol abgefackelt, damit die Wirkung nicht allzu schlimm wurde. Bei über zwanzig Grad minus mußte man schon schnell trinken, damit das Getränk nicht wieder in den festen Zustand überging. Alles in allem war der Grillabend eine Mordsgaudi !!!

Sonntags war dann unwiderruflich die Abreise von Savalen angesagt. Das Gepäck wurde verzurrt und die ersten zaghaften Startversuche nach einer extrem kalten Nacht führten nicht immer zu guten Ergebnissen. Bei meiner Dnepr blieb beim ersten Ankicken der Kickstarter einfach unten. Erst dachte ich, die Rückholfeder sei gebrochen, aber offensichtlich war nur das Getriebeöl kältebedingt so steif, daß sich nicht viel bewegte. Nach etlichen Versuchen liefen dann alle unsere Fahrzeuge befriedigend. Nur Stefans kranker Motor mahlte kräftig in den Kurbelwellenlagern, aber das war ja nichts wirklich Neues. Kurz vor Mittag ging es dann los. Unser Tagesziel waren wieder die herrlichen Hütten am

Ringebu-Pass. Am Nachmittag lernten wir dann die etwas chaotische Situation von mehreren geschlossenen Tankstellen auf dem Land kennen.

Aus allen vorhandenen Reservekanistern wurden die Reste brüderlich aufgeteilt und gehofft, daß wir bis aufs Ringebu-Fjell kommen würden. Dort war dann eine garantiert geöffnete Tankstelle. Während der Fahrt war es wieder schneidend kalt und gottseidank konnten wir uns durch eine Reifenpanne die bei Heinz zu reparieren war, etwas aufwärmen. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir dann endlich den Aufstieg zum Ringebu-Fjell. Ausgerechnet da fing meine Dnepr das Husten an, weil ihr der Sprit langsam aber sicher ausging. Aus allen Kanistern wurden noch die allerletzten Tropfen rausgequetscht und auch Roswitha und ich erreichten dann die rettende Tankstelle.

Für die massiven Anstrengungen wurden wir dann abends von unseren Damen durch ein gutes Essen entschädigt.

Am nächsten Morgen trat Heinz seine R75 an und dabei brach der Kickstarter im oberen Bereich wohl kältebedingt ab. Also war ein Werkstattbesuch angesagt. In der Ortschaft Ringebu gab es eine LKW-Werkstatt, die über ein Schweißgerät verfügen sollte, sagte man uns im Hüttenpark. Also starteten wir Richtung Ringebu. Aber leichter gesagt als getan. Auf der spiegelglatten Paßabfahrt streifte Stefan mit seinem Gespann beinahe ein entgegenkommendes Auto und schleuderte quer über die Fahrbahn. In einer Serpentinenabfahrt kurz vor dem Ort Ringebu kam auch Heinz etwas ins Rutschen, konnte aber durch beherztes Loslassen der Bremse das Gespann wieder

stabilisieren und einem PKW dann doch noch ausweichen. Durch diese Erlebnisse waren alle schlagartig wach und auch warm !!!

In der LKW-Werkstatt kümmerte sich der Chef und ein Mechaniker sofort um den abgebrochenen Kickstarter, ließen sich ihre Tätigkeit aber auch fürstlich mit Schnaps und Kronen bezahlen. Wer nichts zu reparieren hatte, fuhr zum Supermarkt, um die Vorräte zu ergänzen. Nach einer Zeit ging es dann Richtung Lillehammer auf kleinen Straßen durchs Gebirge weiter. Nach einer Raucherpause ging es dann an einer starken Steigung wieder weiter. Christian und Elsa fuhren mit ihrer R75 vor mir. Christian schaltete in den zweiten Gang, dabei gab es ein häßliches metallisches Geräusch und die Fuhre blieb stehen. Was war passiert ??? Die Kardanwelle war am Eingang zum Hinterradantrieib abgeschert und weigerte sich mangels fester Verbindung, ihren Job weiter zu verrichten. Alle weggeflogenen Teile konnten wir einsammeln und damit stand einer Behelfsreparatur nichts mehr im Wege. Eberhard war mit dem Schwimmer auch zurückgekommen und das Abschleppseil war schnell an beiden Fahrzeugen befestigt. In etwa 15 Kilometern Entfernung war laut Landkarte das nächste Dorf. Dort angekommen stellte sich heraus, daß die Tankstelle und ein vorhandener KFZ-Betrieb trotz angebotenem Schnaps und Geld nicht willens waren, eine Schweißreparatur der Kardanwelle zu machen. Auf der Fahrt zu dem Dorf hatten wir unterwegs einen Bauernhof im Vorbeifahren gesehen, wo ein Bäuerlein dabei war, seinen Schneepflug zu schweißen. Da mußten wir hin !!!! Der Bauer verstand mangels deutscher oder englischer Sprachkenntnisse erst nicht, was wir von ihm wollten. Als dann aber eine Flasche Wiskey auf der Werkbank stand, räumte er das Feld und ließ uns machen. Schnell war ein Stück Rohr gefunden, was über die Bruchstelle geschoben werden konnte. Und schon spritzten die Funken und das Schweißgerät verband die losen Teile wieder zu einem Provisorium, was zumindest bis nach Kiel gehalten hat. Die letzten paar Kilometer bis zum Anhänger mußte Christians R75 dann aber doch noch von meinem Russen abgeschleppt werden. Welche Schande für eine Wehrmachts-BMW !!!! Bedingt durch die Reparaturaufenthalte erreichten wir dann auch erst etwas später unser Tagesziel. Aber um so schöner wurde der Abend.




Die nächste Tagesetappe führte uns dann wiederum über wirklich allerkleinste Straßen und Waldwege in den Ort Hurdal am Hurdal-See. Wir haben auf dieser Etappe nicht sehr viele Kilometer zurückgelegt, haben aber durch die vielen Versuche, quer durch den Wald zu kommen, die doch stark eingeschränkte Schneegängigkeit unserer Fahrzeuge sehr gut erfahren und "erschoben".


Von Hurdal nach Oslo war es dann am letzten Tag in Norwegen nicht mehr sehr weit. Auf der Fahrt haben wir dann noch unseren Freund Birger Brederson besucht und seine Sammlung an unrestaurierten Militärfahrzeugen besichtigt. Die dann allerletzte Etappe Richtung Oslo haben


wir auf der Autobahn bewältigt. Stefans BMW quittierte diese Mißhandlung dann mit einem Fastzusammenbruch des Motors. Die Kurbelwelle war soweit zerstört, daß sie durch Verdrehung der Einzelteile so unrund geworden war, daß die Lichtmaschine auf dem vorderen Kurbelwellenzapfen abgesprengt wurde und nur noch am Elektrokabel hing. Das Ding wurde abgeschnitten und verpackt und weiter ging die Fahrt Richtung Hafen Oslo, den wir dann auch rechtzeitg Dank Magnetzündung erreichten. Unser Freund Björn Foßholm traf uns dann dort noch und wünschte uns eine gute Überfahrt.

Nach der üblichen Warterei konnten wir dann endlich unsere Fahrzeuge im Schiff abstellen und unsere Kabinen beziehen. Im Gegensatz zur Hinfahrt war das Schiff "rappelsvoll" mit in der Hauptsache älteren Herrschaften, die eine Minikreuzfahrt Richtung Kiel unternahmen.

Abends ließen wir uns wieder das üppige Buffet munden und amüsierten uns danach noch in einer der Borddiskos. Auch mal ein tolles Erlebnis in unserem gesetzten Alter !!!

Am nächsten Morgen liefen wir dann wohlbehalten in Kiel ein und waren gegen Mittag in Gettorf bei Familie Messer. Dort haben wir dann unsere Fahrzeuge wieder auf die Anhänger geladen und sind Richtung Heimat gefahren.

Unter dem Strich betrachtet haben wir mit einer ganz tollen Truppe mit uralter Technik unter unwirtlichsten Witterungsbedingungen mit Eis, Schnee und Kälte einen tollen Urlaub erlebt. Ernsthafte körperliche Schäden hat niemand erlitten. Eine Oberschenkelverbrennung mit kochendem Teewasser, eine deutliche Schnittverletzung beim Abschneiden von fettiger Salami und leichte Hauterfrierungen im Wangenbereich zählen einfach nicht und wurden unter "das kann doch mal passieren" abgebucht. Unsere Technik hat die Herausforderung auch gut überstanden, wenn man mal vom abgebrochenen Kickstarter bei Heinz, von der abgescherten Kardanwelle bei Christian und vom letztendlich total zerstörten Motor von Stefans R75 mal absieht, der aber bis zum Anhänger in Gettorf gelaufen ist.

Ganz besonders bemerken möchte ich, daß insbesondere Heinz und Eberhard, die ja nun auch nicht mehr die Allerjüngsten sind, die Strapazen absolut souverän mitgemacht haben und uns Jüngeren immer wieder mit Rat und Tat zur Seite standen. Aber auch Stefan und Kerstin muß ich erwähnen. Bei unserem Start nach Norwegen hatte die Beiden noch weniger als 100 Kilometer Erfahrung mit ihrer frisch restaurierten BMW. Aber trotzdem haben sie alle Herausforderungen angepackt und auch bewältigt, haben trotz des kapitalen Motorschadens nicht aufgegeben, sondern sind mit der Gruppe wieder wohlbehalten in Kiel angekommen. Auch Peter Vogt mit seiner ganz normalen Ural ohne Seitenwagenantrieb, der noch nie mit einer Gruppe solch verrückter Menschen, die sich mit Wehrmachtsfahrezugen beschäftigen, unterwegs war, hat trotz manchem Kopfschütteln über die Schrulligkeit der Leute eine Menge Spaß gehabt. Für Elsa und Christian war diese Art Reise auch neu. Beide sind zwar vorher auch schon oft mit ihren Motorrädern unterwegs gewesen. Aber noch nie mit der R75 unter den Bedingungen in einer solch verrückten Gruppe. Elsas Kenntnisse und Erfahrungen als Krankenschwester verhalfen Peter nach seiner Brandverletzung zu einem einigermaßen verträglichen Abklingen der heftigen Beschwerden. Zu guter Letzt seien noch Conny und Thomas erwähnt, die zu Beginn der Reise überhaupt nicht wußten, um was es wohl gehen würde und sich mit großem Mut auf das Abenteuer eingelassen haben und sich dann als perfekte Navigatoren gezeigt haben. Ohne die besonderen Fähigkeiten im Umgang mit der Karte hätten wir die wunderschönen Nebenstraßen nie gefunden.


Frei nach Hänschen Rosenthal:


das war Spitze !!!!!

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