DISG e.V.

Deutsche Interessengemeinschaft Schwimm- und Geländefahrzeuge

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Treffenberichte

Tunesienfahrt  2008

oder, das schon zweite „High Light“ innerhalb eines Jahres!

Von Bodo und Sylvia Peters



Wir sind dann mal weg - so der Slogan von 20 DISG- Mitgliedern und Freunden, um am

4.10. 2008 für 14 Tage in Tunesien auf Rundreise mit insgesamt 10 Fahrzeugen

( Kübelwagen und zwei Schwimmer) zu gehen.


Da  Peter Lindner von Anfang an alles gut durchorganisiert  hatte, trafen wir uns dazu  schon am Vortag auf einem Campingplatz  in Sciaborasca, nahe Genua. Unsere  Anhänger und Zugfahrzeuge dort mit einem guten Gefühl für die Zeit der Reise abgestellt, ging es um ca. 10.00 Uhr in Kolonne  von sieben  Fahrzeugen zum Hafen nach Genua. Dort trafen wir dann auf die drei noch fehlenden Fahrzeugbesatzungen, welche An-und Abreise auf eigener Achse beziehungsweise per Autozug geplant hatten. Während der Wartezeit im Hafen gab es dann ausgiebig Gelegenheit  sich über Art und Umfang der Fahrzeugvorbereitung auszutauschen. Von acht Kübelwagen gab es wohl  keine zwei mit identischer Bereifung, und die beiden Schwimmer taten es Ihnen gleich. Die Anbringung der obligatorischen  Abschleppseile  teilte das Team in zwei Gruppen.

Vorne angebrachte Seile    = Pessimisten

Hinten angebrachte Seile   = Optimisten


Ähnlich breit gefächert war die Motorisierung, was sich später noch eindrucksvoll zeigen sollte.

Unsere Luxus- Autofähre  „Carthage“ lief um 16.00 Uhr aus und legte  am Folgetag pünktlich um 14.00 Uhr in Tunis an. Die Zeit auf dem Schiff nutzten wir sinnvoll, um unsere Einreiseformalitäten zu erledigen, was einfacher aussah, als es war. Peter hatte sämtliche Meldebögen und Vordrucke in ausreichender Stückzahl  für uns besorgt. In geselliger Runde wurde besprochen, wie dieses  viele Papier auszufüllen ist. Gut gerüstet, so glaubte man zumindest, stellten sich die ersten Reisenden unserer Gruppe dann auch an der offensichtlich einzig existierenden Schlange vor dem Pult der Obrigkeit artig an. Da das Beamtentum weltweit eine einheitlich niedrige Arbeitsgeschwindigkeit zu haben scheint, füllte sich der Warteraum zusehends, ohne dass es nennenswerte Stückzahlen von bearbeiteten Vorgängen gab. Dadurch geriet das Mikroklima der Wartezone derart außer Kontrolle, dass sich ein bis dahin gelangweilter Beamter angesichts der weinenden Kinder und schwächelnden Erwachsenen genötigt sah, anwesende Reisegruppen vor seinem Tisch Aufstellung nehmen zu lassen, um diese separat abzufertigen. In gewohntem Gehorsam stellten sich somit alle momentan Anwesenden unserer Gruppe in vermeintlich vorteilhafter Position auf. Die erste Frage des Beamten lautete: „Wie heißt Ihre Gruppe?“ Zu diesem Zeitpunkt war es zumindest den Anwesenden nicht bekannt, dass wir irgendwann „Tunesia 3“ getauft worden sind. Als geübte Improvisationskünstler gaben wir halt den Namen von Mouldi’s Reisebüro an, woraufhin Frage Nummer zwei zu beantworten war: „Wie viele Mitglieder hat Ihre Gruppe?“ Diese an sich einfach zu beantwortende Frage brachte uns insofern in Schwierigkeiten, als das die tatsächliche Truppenstärke deutlich von der Anzahl Anwesender abwich. Es war schon ein gutes Stück Arbeit, den Beamten davon zu überzeugen, dass sich vorher schon andere Gruppenmitglieder als Individualtouristen durchgeschleust hatten. Ob Gruppe oder nicht, bis zum Abendesen um 21.00 Uhr haben wir es geschafft, die Pass- und Zollkontrolle zu absolvieren!


Erkenntnis des Tages: Es gibt zwar eine Band „Ohne Namen“, aber doch keine Reisegruppe ohne Namen!


5.10. km-Stand 0,


Ankunft in Tunis, die Fahrt von der Fähre lief flott. Es folgte die Begrüßung durch unseren Reiseleiter Mouldi Oueslati, der uns gemeinsam mit Siegfried Pape, einem erfahrenen Entwicklungshelfer und Träger des Bundesverdienstkreuzes, während der gesamten Tour in seinem Toyota begleitete. So komplettiert ging es dann in Richtung Mouldi`s Hof in Bou Arada, ca. 100 km von Tunis entfernt. Etwa 25 km südlich von Tunis gab es dann auch das erste Baudenkmal aus der Römerzeit zu bewundern, ein Aqudukt. Dabei handelt es sich um Reste einer gemauerten Wasserleitung mit  einem Gefälle von maximal  0,5 % und einer Länge von 60 Kilometern. Zum Niveauausgleich mussten an tieferen Stellen teilweise mehrstöckige Arkaden errichtet werden. Abgesehen von der Bauausführung möchte man heute noch allein hinsichtlich der Vermessungs- und Planungsleistung dieses Projektes in Ehrfurcht erstarren. Während der Weiterfahrt, es war eine recht interessante Bergtour, wurden Reste ehemaliger deutscher Schützengräben besichtigt. Um 19.30 Uhr bei Mouldi angekommen, erfolgte eine sehr herzliche Begrüßung durch die fast vollständig anwesende Familie. Wir wurden zu einem liebevoll  vorbereiteten, einheimischen Essen  eingeladen, was uns nach dem recht langen Tag  sehr wohl schmeckte. Im Anschluss daran gab es Folklore und eine zünftige Familienfeier.


Erkenntnis des Tages: Es gibt tatsächlich noch Livebands für kleines Geld!


6.10. km-Stand 105,


die Nacht war kurz in unseren Zelten, bzw. im Haus der Familie und alle Hunde in der Umgebung haben sich angestrengt, nicht überhört zu werden. Dafür wurden wir mit einem reichhaltigen Frühstück und frisch gebackenem  Fladenbrot verwöhnt. Nach Besichtigung des Backofens und einem Webstuhl in Aktion hieß es Abschied nehmen und wir traten den langen Weg in den Süden des Landes an. Unterwegs gab es den ersten technischen  Defekt, die Lichtmaschine des Peter Mendelson- Kübels hatte sich verabschiedet. Weiterhin gelangten wir zu der Erkenntnis, dass es nicht selbstverständlich ist, an jeder geöffneten Tankstelle auch Benzin zu bekommen. Schließlich konnten wir aber noch vor Einbruch der Dunkelheit, um 18.30 Uhr unsere Zimmer im Jugurtha Palace in Gafsa beziehen. Ein sehr orientalisch anmutendes Haus mit einem wunderschönen Palmengarten und Swimmingpool. Dort stellte sich sehr bald heraus, dass Reiseschecks nicht unbedingt die erste Wahl sind, da sie hier nicht getauscht wurden. Der Biergenuss erfolgte an diesem Abend in Maßen.


Erkenntnis des Tages: Dusche und Bett erscheinen durchaus erhaltenswerte Errungenschaften der Zivilisation zu sein!


7.10.  km-Stand 450


um 8.30 Uhr war Abfahrt in Richtung Metlaoui, wo wir am Vormittag eine Fahrt mit einem Salonzug  namens Rote Eidechse, den der französische Staat 1913 dem tunesischen Bey Mohammed Naceur Pacha geschenkt hatte, unternahmen. Die zweistündige Fahrt mit Haltepunkten führte uns durch die berühmten, bis zu 200 m tief eingeschnittenen Seldja- Schluchten.  Als besonders malerisch anzusehen war die Coup du Sabre, Säbelhieb genannte Engstelle. Am Ausgang dieser Schlucht liegt die Quelle Ras el Aioun, wo Philippe Thomas 1886 das Phosphat entdeckte, was bis heute dort abgebaut wird. Gegen Ende der zweistündigen Fahrt mussten wir allerdings mit ansehen, wie ein Tunesier versuchte, Conny die Kamera zu entwenden- oder wollte er nur ein Foto von ihr machen? Zum Glück ist dieser Versuch fehlgeschlagen! Danach ging ´s, wieder per eigener Achse, auf Fahrt durch die Mondlandschaften der Phosphatberge. Besonders beeindruckend war das Befahren  einer erst kürzlich asphaltierten  Passtrasse, welche während des Krieges von den Deutschen gebaut wurde. Angeblich haben die Fritzen zur Ermittlung der optimalen Wegstrecke einfach ein paar Kamele den Hang hochgetrieben, und den Trampelpfad verbreitert, eine tolle Symbiose. Die Mittagsrast verbrachten wir an einem exellenten Aussichtspunkt bei von Mouldi während der Zugfahrt für uns eingekauften Oliven, Käse, und Baguette. Bei der Gelegenheit verriet uns Mouldi, dass die Passtrasse genau an dieser Stelle ein physikalisches Geheimnis birgt. Obwohl rein optisch zweifelsfrei ansteigend, soll ein PKW mit abgestelltem Motor und nicht angezogenen Bremsen von einem Magnetfeld bergauf bewegt werden.  Peter ließ sich nicht lange bitten und startete den Selbstversuch. Was sich dort allerdings abgespielt hat weiß  Allah allein, jedenfalls war Peter hinterher von der ´´Funktion´´des Magnetfeldes überzeugt. Das wär doch ´mal ein ganz neuer Ansatzpunkt für die Forschung, anstatt nur immer an der Verbrauchsoptimierung in die Jahre gekommener Grundkonzepte zu arbeiten. Wenn die Ölvorkommen der Erde gänzlich erschöpft sind, kann so ein Kübelwagen durch Einbau eines Permanentmagneten und dessen Wechselwirkung mit dem Magnetfeld der Erde vielleicht noch zu ausgiebigen Nord-Süd bzw. Süd-Nord-Touren genutzt werden-absolut öko!  Die Weiterfahrt führte uns z.T.  über Steinpisten durch Mides und  Alt- Mides mit Halt an dem grandiosen Canyon de Mides, wo auch seinerzeit Dreharbeiten für den Film „ Der englische Patient“ durchgeführt wurden, nach Tamerza, wo wir im Berghotel Tamerza Palace, einem Haus mit Traumblick auf Alt- Tamerza, die Oase  und den Berglandschaften, Zimmer beziehen konnten.  Die vor allem von Berbern bewohnten Bergoasen Mides, Tamerza, sowie Chebika sind ehemalige römische Wachposten, wovon heute zahlreihe Ausgrabungen zeugen.


Erkenntnis des Tages: Versuch macht klug!


8.10. km-Stand 572

Nach einem Abendessen „vom Feinsten“ , einer guten Nacht und einem guten Frühstück im Luxushotel ging es entlang einer Panoramastraße mit Halt zwecks Verkostung von frisch gewonnenem Palmensaft weiter nach Chebika, der dritten Bergoase, welche sich bis in einen wilden Canyon mit einer salzfreien Thermalquelle erstreckt. Danach, so gegen 11.00 Uhr gingen wir das Erste mal  auf „Wüstenfahrt“ in Richtung Nefta. Die Mittagsrast fand am Rande des Chott el Gharsa, in der Nähe der sog. „ Kamelhalsdüne“ statt. Weil es solchen Spaß gemacht hat, erstreckte sich die Sandfahrt bis 15.30 Uhr, dann musste erst einmal in Nefta  getankt werden. Das Quartier bezogen wir dann im Hotel „Sarra“ in Tozeur.



Erkenntnis des Tages:  Kinder spielen im Kindergarten, Männer in der Wüste!



9.10. km-Stand 709,

am Morgen bot sich eine Fahrt per Pferdekutsche durch die Altstadt Tozeur  an, welche auf Grund seiner geschlossenen Architektur und seiner reliefartigen Lehmziegelfassaden in das Unesco- Weltkulturerbe aufgenommen wurde, an, wovon auch die meisten unserer Reiseteilnehmer Gebrauch machten. Weiterhin hatten wir dabei Gelegenheit, eine Oase „von innen zu besichtigen“, wobei  uns die Erkenntnis vermittelt wurde, dass es männliche und weibliche Palmen gibt und dass in der gesamten Oase eine männliche Palme für die Befruchtung aller Palmen zuständig ist! Zur Sicherung einer reichhaltigen Tracht wird die Bestäubung auch manuell unterstützt. Weiterhin waren Bananen, Feigen, Jasmin und Spinat zu bewundern. Nach der zweistündigen Kutschfahrt schwangen wir uns wieder in unsere geliebten eigenen Gefährte und überquerten nun den großen Chott el Jerid mit Besichtigung eines dort im Salzsee vor einiger Zeit steckengebliebenen Busses, der mittlerweile ganz schön mitgenommen aussieht. Die Mittagsrast erfolgte an einer Oase mit Cafe zwischen Douz und Kebili,wo der Tee empfehlenswert war. Gleichzeitig gab es lebende Skorpione zu sehen, die zu unserer Reisezeit in der freien Natur nicht mehr aktiv waren. Anschließend, weil es ja solchen Spaß machte, Wüstenfahrt! Eine kleine Pause wurde an einer Wasserförderstelle gemacht, was Peter Lindner als Gelegenheit ansah, seinen bereits gut angeschmutzten Kübel zu waschen. Gleichzeitig fand Bodo heraus, dass seine Sonnenbrille einem Esel gut steht! Ja, ist das denn ein Wunder? Eselchen nutze die Situation aus, um sich schmackhafte Palmenwedel, welche als Autoschmuck drapiert waren, anzueignen. Ein auf einer Düne sitzender Nomade, dem Esel, Hund und Schafe offensichtlich gehörten, sah unserem Treiben gelassen zu. Danach fuhren wir zur Wüstenposition        N 33°28.913‘ E 008°38.896‘, wo bereits Wadi`s für uns aufgebaut waren und in einem „Küchenzelt“ eifrige Vorbereitungen liefen. Dies war unser heutiges Nachtquartier! Zunächst aber wurde uns gezeigt, wie man im Sand schmackhaftes Fladenbrot backen kann, ohne dass der Sand zwischen den Zähnen knirscht. Danach wurden wir zu Tisch gebeten und mit einem einheimischen Dreigangmenü bei Sonnenuntergang verwöhnt. Die anschließende Wüstenfolklore mit Trommeln, Flöte, Bauchtanz und Lagerfeuer ließen den Abend stimmungsvoll vorbeigehen. So manch einer unternahm noch einen Spaziergang bei Mondschein, bis dann nach Witz und Blödelei am Lagerfeuer das Zubettgehen beschlossen wurde. Ein ordentliches Nachtgewitter ließ dann noch Romantik pur aufkommen! Wie wir später noch erfahren sollten, war im Zentrum des Gewitters allerdings kein Platz für Romantik, Sturm und 103mm Niederschlag beanspruchten jeden Freiraum für sich.


Erkenntnis des Tages:  Wüstensand vorm Zelt erspart den Gang zum Bäcker!


10.10.km-Stand 891  

Da wir nun schon mal in der Wüste waren, wurde natürlich auch auf Kamelen, oder besser gesagt  auf Dromedaren , geritten. Dies war in einer Dünenlandschaft in der Nähe von El Faouar verabredet  und hat allen, die sich dazu entschlossen, sichtlich Spaß gemacht. Die Karawane zog weiter! Bemerkenswert war für uns nur, dass, nachdem wir wieder abgestiegen sind, die Kamelführer den Nach- Hause- Weg nicht auf dem Rücken der Tiere antraten, sondern selbst zu Fuß gingen, um die Tiere zu führen.


Nach diesem erheiternden Ritt  ging es für uns weiter in Richtung Douz, einem Oasenstädtchen, welches nach Tozeur das meistbesuchte Wüstenziel Tunesiens  und Zentrum der Mrazig- Berber ist. Der Ortskern besteht aus einem von Arkaden gesäumten Marktplatz, in welchem sich zahlreiche kleine Lädchen und Cafe‘ s befinden und zum Bummeln einladen. So nutzten wir diese Gelegenheit. Danach ging es weiter, insgesamt 140 km waren zurückzulegen, zunächst Richtung Matmata und dann weiter nach Ksar Ghilane, einer Oase am Rande der Sahara, was zunächst nicht als Problem anzusehen war. So allmählich tat sich ein Sandsturm auf, welcher recht heftige Verwehungen auf den Straßen verursachte, so dass teilweise jedes Fahrzeug einzeln durch die aufgewehten Sandmassen geschoben werden musste. Gegen 15.30 Uhr kam angesichts der Sandmassen  und der daraus folgenden Schwierigkeiten die Befürchtung auf, dass wir  wohl kaum bis zum Einbruch der Dunkelheit ans Ziel kommen  werden. Aber schließlich besserten sich für den Rest der Strecke die Bedingungen und wir konnten gegen 17.00 Uhr im Nomadenhotel in Fort Ksar Ghilane Quartier machen. Wie der Name schon sagte, es handelt sich um Nomadenzelte, in denen jeweils für vier Personen Schlafplatz vorhanden war. Duschen und Toiletten, sowie auch das Restaurant, befanden sich in einem zentral gelegenen festen Gebäude. Das Essen war o.k., in der hauseigenen Bar gab es noch Gelegenheit, einen Drink zu nehmen und sich zu richtig guten arabischen Trommelrhythmen zu bewegen. Da der Sturm zur Nacht nicht nachließ, hatten wir auch in den Zelten –auf den Betten und sonst wo den feinen Wüstensand, wobei wir schon damit zu tun hatten, den tagsüber aufgesammelten Sand aus den Klamotten und sonstigen Körperöffnungen zu entfernen- ein wirkliches Abenteuer!



Erkenntnis des Tages: Bläst der Wind am Wüstenrand, ist er bald weg, der Wüstensand!



11.10. km-Stand 1096  

Insofern hatten wir nach gutem Schlaf  und ausgiebigem Frühstück reichlich Arbeit, die während der Nacht eingesandeten Autos wieder so einigermaßen „sauber“ zu bekommen, um unsere Fahrt planmäßig fortzusetzen. Unser Ziel war zunächst die unweit gelegene Oase am Rande der Sahara mit schwefelhaltiger Thermalquelle, welche in einem Quellteich mündet.  Ein wirklich sehenswertes Fleckchen Erde. Natürlich wurde auch hier die Sandtiefe  mit den Auto’s  gemessen. So gelang Conny dabei ein wirklicher Stunt! Verursacht durch eine Bodenwelle flog sie  aus der stehenden Position von  der Stange nach eleganter Luftrolle in Peter Lindners Kübel, auf dem Rücken liegend,  und vorerst sprachlos. Der anschließende Ritt auf dem Pferd eines rassigen Arabers ließ den Schreck schnell vergessen.


Dann ging es wieder auf gemeinsame Pisten- und Sandfahrt. Der Sturm hat sich zunächst gelegt, kam dann aber wieder etwas auf, so dass man wieder alles in Tüten stecken konnte. Die Sonne lachte, es war schön warm, so dass wir das alles wieder genießen konnten. Gegen 11.50 Uhr ein technischer Defekt. Am Kübel von Hannes Leimstädtner war die Spurstange verbogen, was nach einer 20- minütigen Reparatur vergessen war. Eine weitere Zwangspause ergab sich gegen 15.20 Uhr. Der „werksneue“ Kübel von Ulrich Lorenz hatte ein Vergaserproblem. Da die Inanspruchnahme des technischen Dienstes einer autorisierten Fachwerkstatt zwecks anerkanntem  Stempel  im Serviceheft schlecht möglich war, musste selbst Hand angelegt werden. Der unspektakuläre Aufbau der kleinen Gasfabrik ließ das Problem schnell vergessen sein. Die neugierigen Blicke von Ulli´s Beifahrer Andreas in die intimsten Motoröffnungen passten dem sensiblen Kübel überhaupt nicht. Beim ersten Startversuch nach erfolgreicher Reparatur revanchierte er sich mit einer kapitalen Fehlzündung und verpasste Andreas eine Breitseite auf dessen rechten Rippenbereich, so dass sein weißes T-Shirt eher einem verbrauchten Putzlappen glich.

Lediglich 88 km haben wir an dem Tag zurückgelegt, so dass wir zum späten Nachmittag unser Quartier in einem Ksar (Speicherburg) nahe Douirat, einem alten Berberdorf erreichten. Der Legende nach geht diese Siedlung auf den Marabout Ben Douaieb zurück, der sich vor 600 Jahren, vermutlich aus Marokko kommend, hier niederließ. Jedenfalls haben wir richtige Höhlenzimmer bezogen, welche von den Betreibern liebevoll und authentisch eingerichtet wurden. Dieses Hotel war so neu, dass man sagen kann, wir gehörten zu den ersten Gästen! Auch hier ließen wir uns einheimisch, d.h. gut und scharf, bewirten.



Erkenntnis des Tages: 88 Kilometer können  ganz schön lang sein!



12.10. km-Stand 1184,

also so eine Nacht in einer Höhle kann einem wirklich einen Bärenschlaf bescheren! Aber trotzdem hieß es nach dem Frühstück - Abschied nehmen von den überaus herzlichen Gastgebern und weiter ging es bei zunächst etwas trüben und regnerischen Wetter nach Ksar Oulet Debbab, einem weiteren Speicherdorf, in welchem wir ein interessantes Museum über arabische Kultur und Geschichte besuchten. Direkt verbunden mit dem Museumsgelände ist ein ebenfalls ganz  neues bzw. noch im Aufbau befindliches Höhlenhotel, welches auch über ein stilvoll eingerichtetes Restaurant verfügt.  Allerdings, so war zu vernehmen, sind die Preise auch ganz schick!


In Tataouine, einer Guovernoratshauptstadt mit 8500 Einwohnern wurde dann, wie bisher in regelmäßigen Abständen gemeinschaftlich der Fahrzeugdurst gestillt. Danach ging es weiter nach Ksar Oulet Soltane, einer der eindrucksvollsten Speicherburgen Südtunesiens. Die insgesamt 320 Ghorfas, so heißen die einzelnen Speicherräume, sind bis zu fünf Stockwerke hoch um zwei Innenhöfe gruppiert und stammen aus dem 13. bis 19. Jahrhundert. Junge Maler  haben sich hier niedergelassen, um zu arbeiten und ihre Kunstwerke  zu verkaufen.

Auf der Weiterfahrt  nach Ghomrassen  gab es in Rass el Ain einen französischen Bunker zu bestaunen, was ausschließlich von der Männerwelt wahrgenommen wurde.


Die Mittagsrast, es war inzwischen wieder sehr schön warm geworden, haben wir in einer alten Ksar- Anlage kurz vor Ghomrassen verbracht. Dort war auch ein nettes Cafe integriert- und natürlich auch ein Souvenirshop. Von den weiterführenden Panoramastraßen konnte man schon aufs Mittelmeer schauen, was leise die Vermutung aufkommen ließ, dass es jetzt bald wieder in Richtung Heimat geht. Wir sind also, nachdem wir bisher den Süden von westlicher in östlicher Richtung durchquert haben, an der Küste angelangt. Von nun an ging es, Umwege einbegriffen, denn der Weg war ja auch das Ziel, nur noch nordwärts. Das heißt, dass wir ab jetzt mehr mit dem touristischen Treiben und seinen  Auswüchsen zu tun hatten. So wurden wir unterwegs beim genießen des Ausblicks permanent von einheimischen Kindern aufgefordert, etwas zu kaufen, sei  es auch nur der hinter den Leitplanken gepflückte Rosmarin! Daraufhin die eindeutige Ansage Mouldi’s, dass wir nichts geben sollen, denn sobald die nächste Gruppe auftaucht, die nicht der Bettelei nachgibt, wird diese mit Steinen beworfen. Auch das haben wir schon selber erlebt!


Später haben wir in einem Berberdorf, nur noch wenige Kilometer von Matmata entfernt, eine bewohnte Höhlenwohnung besichtigt. Nach der Besichtigung gab es von der Hausfrau frisch gebackenen, wirklich sehr lecker schmeckenden Kuchen zu probieren. Nach der Vorführung des Mehlmahlens mit zeitgleichem Einwurf von Dinars in die herumgereichte Sammelschale haben wir uns herzlich verabschiedet, um noch einen Gewürzladen aufzusuchen. Neben diesem Laden wurde ein 200- Liter Benzinfass von der Wehrmacht entdeckt. Nach Diskussion um Besitzansprüche und Transportmöglichkeiten wurde es aber doch liegen gelassen. Laut  Arthurs Aussagen wurden diese Fässer in der Nähe von Wien produziert. Gegen 18.30 Uhr dann Ankunft im Hotel, vier Sterne „Diar el Barbar“, ein Luxushotel in Matmata.


Erkenntnis des Tages: Permanentes Verteilen von Geschenken heißt nicht unbedingt, Gutes zu tun!


13.10. km-Stand 1393,

um 8.00 Uhr war Start nach Mareth ins Militärmuseum , was montags geschlossen hat! Ein neuseeländischer Kriegsveteran, welcher sich für unsere Fahrzeuge interessierte, konnte den Kommandanten dazu überreden, das Museum zu öffnen. Nach Besichtigung führte uns Mouldi zu den Bunkern, welche zeitweise Onkel Erwin als Hauptquartier dienten.  Als Abschluss- Gruppenbild mit Fahrzeugen, anschließend Weiterfahrt  nach Gabes, einer 75000 Einwohner zählenden Gouvernoratshauptstadt mit Oase, wo sich Sahara und Mittelmeer treffen. Dort besuchten wir das Grande Jara genannte Souk- (Markt- )Viertel mit regem Treiben. Am besten ließ sich das von der Terrasse eines der vielen dort angesiedelten Cafe’s genießen. Denn hier erlangte uns

die     


Erkenntnis des Tages: Einkaufen kann anstrengend sein, nichts kaufen noch mehr!


Nach dem Marktbesuch hat sich Sachran „Wüstensohn“, der uns als ortskundiger tagelang durch die Wüste führte, von uns verabschiedet. Wir fuhren weiter in Richtung Norden durch endlose Olivenhaine und hatten an diesem Nachmittag Gelegenheit zu einem ausgiebigen Bad im Mittelmeer bzw. in der Sonne. Ganz in der Nähe des Strandes befanden sich recht intensiv bewirtschaftete Ackerflächen. Auch hier gibt es, wie  schon entlang der Algerischen und der Lybischen Grenze  jede Menge Kanister -Tankstellen. Unser heutiges Hotel hieß „Tamaris“, war typisch tunesisch eingerichtet, hatte drei Sterne und befand sich am Strand bei Mahrez. Bemerkenswert war der Innenhof der Anlage, wo ein großer Chor von Vögeln auf dem Baum sitzend zwitscherte. Für drei Sterne war das Haus absolut top!  Ursprünglich war für diesen Abend ein einheimisches Essen mit gegrilltem Fisch am Strand geplant. Die bereits erwähnten Niederschlagsmengen vom 09.10. hatten das dafür vorgesehene Areal jedoch derart in Mitleidenschaft gezogen, dass wir in Pauschaltouristenmanier die Küche des Hauses in Anspruch nahmen. Auch damit konnten wir sehr zufrieden sein, grillen am Mittelmeer wäre aber sicherlich noch ein besonderes Erlebnis gewesen.


14.10. km-Stand 1615  

Entlang der Stadt Sfax  durchfahren wir Olivenhaine, die Bäume brechend voll erntereifer Oliven, Schwarze und Grüne! Beim Durchfahren der einzelnen Ortschaften waren immer wieder Grillstände zu sehen, welche frisch geschächtetes Schaf zubereiteten. Der noch lebende Nachschub war schon angebunden. Nach 120 Kilometern weiter nördlich machten wir Station in El- Jem, wo wir uns das Amphitheater, das viertgrößte des Römischen Reiches, ansehen konnten. Der komplett aus Sandstein bestehende Bau wurde Ende des 2.Jahrhunderts begonnen und gilt als die besterhaltene römische Ruine Afrikas. Über 30000 Zuschauer konnten hier sportlichen Wettkämpfen, Gladiatoren- und Tierkämpfen

beiwohnen.


Nach der anschließenden Mittagsrast  in einem der Cafe`s rund ums Amphitheater, oder eben auch individuell, ging die Fahrt weiter nach Port El Kantaoui, ins ***Hotel „Miramar“. Da es erst 15.00 Uhr ist, entschlossen wir uns noch zu einer kleinen Ausfahrt in die Stadt und zum Hafen. Ein wenig irritiert fuhren wir durch einen Kreisverkehr, denn die Straße, welche wir als den Weg zum Hafen und ins Zentrum annahmen war für die Durchfahrt gesperrt. Da folgte auch gleich der Pfiff eines der Polizisten. Dieser erklärte Thomas auf französisch, dass es kein Problem sei, mit unseren Autos das Schild „Durchfahrt verboten“ zu missachten. So fanden wir dann ohne größere Probleme zum Yacht- und Fischereihafen, welcher sich gleichzeitig als touristische Flaniermeile des Ortes präsentiert und waren um eine Erkenntnis des Tages reicher, nämlich: Nicht jeder Pfiff ist ein Anpfiff!


Nach dem Abendessen war eine langsam anwachsende Medizinverkostung vor den Autos zu beobachten. Später traf man sich noch zu einem Absacker in geselliger Runde vor der Hotelbar.


15.10. km-Stand 1816

Nach Frühstück usw. Fahrt nach Kairouan, der vierten heiligen Stadt des Islam, vielbesuchte Pilgerstätte und Zentrum der Teppichherstellung. Dort Besichtigung der Moschee Sidi Oqba, dem bedeutendsten und ältesten  islamischen Bauwerk in Nordafrika, welches im  Jahre 672 vom arabischen Eroberer und Stadtgründer Kairouans, Oqba Ibn Nafi errichtet  und in der Folgezeit mehrmals abgerissen, wiedererrichtet, umgebaut und erweitert schließlich im Jahre 836 in der heutigen Form fertiggestellt wurde. Sommerfrischlern unter uns wurde am Eingang ein Kaftan übergestreift, welcher verhindert, dass Bein und Knie unbedeckt durch die heilige Stätte geführt werden. Also Peter und Leo sahen wirklich gut darin aus! Dann Bummel durch die Medina mit Teppichkaufzeremonie: „Kaufst du zwei, mach‘ ich gut Preis!“  Ruck zuck wurde das gute Stück gepackt, gebündelt und konnte so ohne Probleme für den Rest der Reise im Kübelkofferraum transportiert werden. Die Medina hatte viel sehenswertes zu bieten, so war in einem überdachten Gassengewirr, einem sogenannten Soukviertel, allerhand altes Gewerbe, wie Schneider, Lederhandwerk und Schuster neben Händlern weiterer Artikel zu besichtigen. Ein paar Treppenstufen hinauf ging es zum Bir (Brunnen) Barouta aus dem 17.Jahrhundert. Das angeblich über eine unterirdische Verbindung mit der heiligen Zemzem- Ouelle in Mekka verbundene Wasser  wird per Schöpfrad nach oben befördert. Ein Dromedar mit verbundenen Augen treibt das Göpelwerk des Wasserrades an. Weiterhin besichtigten wir die Aghlabiden-Bassins, welche aus dem 9. Jhdt. stammen und der Wasserversorgung des Aghlabiden- Palastes und der Stadt dienten. Über einen Äquadukt wurde das Quellwasser aus dem 36 km entfernt gelegenen Djebel Cherichera herangeführt, in dem kleineren Becken zunächst geklärt, floss es in das größere Becken, welches 50000 kbm Wasser fassen konnte. Als dritte der vielen Sehenswürdigkeiten der fünftgrößten Stadt des Landes besuchten wir die Barbiermoschee genannte Zaouia de Sidi Sahab, die Grabstätte von Sidi Sahab. Der Komplex entstand zwischen 1629 und 1692 über dem Grabmal des 685 verstorbenen Gefährten Mohammeds.


Am Nachmittag ging es weiter, eine Pullerpause in der Wallachei wird Wolfgang zum Verhängnis, das Auto fuhr sich fest, aber zum Glück war Thomas zur Stelle und zog ihn schnell wieder ´raus aus dem Schlamassel. Daraus ergab sich die Erkenntnis des Tages: Der individuelle Weg ist nicht immer gut zu befahren!


Um 16.15 Uhr trafen wir nach vielen Autobahnkilometern, z.T. auch mit Maut, in unserem Strandhotel in Nabeul, nördlich von Hammamet an. Rommels „Villa Sebastian“ gibt es noch, wird aber nicht als Museum geführt und haben wir deshalb nicht besichtigt. Statt dessen sind wir, d.h. Conny, Thomas, Bodo und Sylvia, mit einem Taxi für eine Betrag von 5 Dinar in die Medina von Hammamet gefahren, um dort zu baden und uns die schöne Altstadt mit den Labyrint-artig angelegten alten und engen Gassen anzusehen.


Nach dem Abendessen versammelte sich angesichts der immer noch vorhandenen Alkoholvorräte eine größer werdende Genießerrunde vor den Auto’s.


16.10. km-Stand 2000!

Unsere Fahrt setzten wir in Richtung Cap Bon fort und machten das erste mal Halt in Menzel Temime vor den Toren einer Hosenfabrik, um uns mit dem Fabrikanten, den Peter gut kennt, zu treffen. In einem ganz in der Nähe gelegenen Hinterhof saßen drei Frauen vor einem riesigen Berg frisch geernteter Paprika, um diese zum Trocknen per Hand aufzufädeln, eine endlos erscheinende Beschäftigung! Die Menge der Früchte ließ jedoch erahnen, wie fruchtbar das Land hier im Norden Tunesiens ist. Schon im 7. Jahrhundert vor Christus hatten die Karthager hier intensive Landwirtschaft, vor allem mit Getreide, Oliven, Wein, Feigen und Granatäpfeln, betrieben. Später wurden nach Einführung des spanischen Pflugs und der Mehrfachkultur auch Tabak, Mais, Pfeffer und sämtliche mediterrane Obst- und Gemüsearten angebaut. Heute liegen auf Cap Bon 45% der tunesischen Weinbauflächen und  werden ca. 70% aller tunesischen Zitrusfrüchte hier geerntet. Wir begaben uns auf eine Rundfahrt um die Halbinsel mit ihren landschaftlichen Reizen. Zunächst machten wir Halt am herrlichen Sandstrand von Kelibia, weiterhin besichtigten wir einen punischen Friedhof mit in Felsen gemeißelten Grabstätten. Durch El Haouaria fuhren wir zum Cap mit einer herrlichen Aussicht auf das Mittelmeer und den davor gelagerten Inseln Zembra und Zembretta. Geologische gesehen ist das Cap Bon ein Ausläufer des Atlasgebirges, was dessen steil zur Seeseite abfallenden  Berge erklärt. Das alles konnten wir ganz beruhigt mit Polizeischutz genießen, der uns, ohne ihn bestellt zu haben, zuteil wurde. So sehr haben uns die Tunesier schon ins Herz geschlossen! Dieser Tatsache hatten wir auch zu verdanken, dass wir einen dort gelegenen Marinestützpunkt betreten durften. Zum Mittagessen fanden wir uns in einer vorzüglichen Strandgaststätte  namens  „le pecheur“ ein, welche fangfrischen Fisch und andere Meeresfrüchte (Doraden, Barsch, Crevetten etc.)für uns vorrätig hatte. Dieser wurde  uns nach individuellen Wünschen zu einem vorzüglichen Mahl  zubereitet.


Wohl gesättigt haben wir unsere Rundfahrt über die Insel fortgesetzt und sind am Nachmittag zu den sieben heißen Thermalquellen von Korbous gefahren. Dort hatten wir Gelegenheit in dem von dem Quellwasser erwärmten Mittelmeer zu baden.


Am Ende des Tages ging es noch zum Soldatenfriedhof nach Bordj Cedria, wo 8436 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhestätte fanden.  


Die Fahrt ins Hotel haben wir gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit, was in Tunesien sehr rasch von statten geht, geschafft. Immerhin hatte  Peter M. noch immer seine kaputte Lichtmaschine und dem zu Folge keine Beleuchtung am Fahrzeug. Die letzten paar Hundert Meter ging es über einen ziemlich stark frequentierten Wochenmarkt, was sich in Sachen Vorwärtskommen als absolute Katastrophe erwies.


Erkenntnis des Tages: Im Dunkeln kann man nichts erkennen!


An diesem Abend wurden Thomas‘ letzte Medizinreserven verbraucht. Für die Fähre hatte Bodo ja noch eine Flasche Whisky dabei!


17.10. km-Stand 2258

9.00 Uhr  Sigfried Pape, genannt Siggi, der uns über die gesamte Reise begleitet hatte und diese mit seinen überaus informativen Erzählungen betreffs tunesischer und deutscher Geschichte nicht unerheblich bereicherte, hat sich nun von uns verabschiedet. An dieser Stelle ein ganz ganz herzliches Dankeschön an Siggi!


Dann Abfahrt vom Hotel in Ez- Zahra, in dem man sich übrigens viel Mühe mit der Desinfektion gegeben hatte!


Wir hatten vor der Einschiffung in La Goulette noch Zeit, einen Abstecher nach Kathargo, der einst berühmtesten Stadt Nordafrikas und dem heute schönsten  Vorort von Tunis, zu unternehmen.

Kurz vor der Einschiffung hieß es nun auch von Mouldi Abschied zu nehmen, eindeutiges Zeichen dafür, dass die außerordentlich beeindruckende und erlebnisreiche Reise über 2258km durch das schöne Tunesien jetzt zu Ende geht!


Die Einschiffung war recht langwierig und wir als Gruppe, d.h. unsere Fahrzeuge sind recht zerstreut auf der Fähre angekommen. Passkontrolle und Zoll machten uns überhaupt keine Probleme.

Ein Verkäufer von Plüschkamelen und weiteren Souvenirs bei der Einschiffung versicherte uns beim Anblick unseres Kübels, er würde Hitler kennen- und  Ballack!


Erkenntnis des Tages: Für den Tunesier gehören Michael Ballack und der Führer zu den bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte!


Auf der Fähre lief dann alles wie gewohnt, bis auf die Toilettenspülung am Morgen des Ankunftstages. Die Meldung diesbezüglich an der Rezeption wurde äußerst unspektakulär mit der Bemerkung aufgenommen, dass dies wohl kein Einzelfall sei. Man hatte daraufhin den Eindruck, dass zwischenzeitliche Abfragen überflüssig seien, so lange die Kabine noch nicht geflutet sei. Gott sei Dank war das Problem nach dem Frühstück behoben! So legte die Fähre fast pünktlich wieder in Genua an, jedoch verzögerte sich für einige unserer Fahrzeuge die Ausfahrt, bedingt durch die Verteilung auf verschiedenen Parkdecks ganz erheblich. Nachdem wir dann doch wieder versammelt waren, verabschiedeten sich diejenigen, welche per Achse und direkt zur Fähre angereist waren. Alle weiteren Fahrzeuge fuhren zum Campingplatz, um für die Heimreise auf die wohlbehaltenen Zugfahrzeuge und Anhänger verladen zu werden. So löste sich unsere Kolonne nach und nach auf.


Bis auf drei Fahrzeuge, denn es stand am Ende der Reise der Vorschlag von Hannes , die Heimreise für einen Tag in Meran zu unterbrechen. Dieses  Angebot hat sich, zwar nach schwieriger Suche einer Unterkunft, jedoch als TOP- Tipp erwiesen. Bei herrlichstem Sonnenschein befuhren wir Panoramastraßen im Zentrum Südtirols auf 2000er Niveau rund um den schönen Kurort. Den Abschluss des Tages krönte ein geselliger Trattoriabesuch bei empfehlenswerter Pizza, gleich bei  Hannes um die Ecke! Zu erwähnen wäre noch, dass auch Hannes per Achse in Genua angereist war, und somit seinen Heimvorteil ausspielend als Vorausfahrzeug mit uns durch die italienische Nacht fuhr. Statt gemächlicher 80 km/h stieg die Tachonadel  jedoch auf zeitweise 120 km/h!! Peter und mir blieb nichts anderes übrig als mit verladenem Kübel dranzubleiben. Beim Tankstopp nach ca.150 km Fahrstrecke musste ich Hannes erst einmal fragen ob er einen Motor von der ME 109 montiert hat,woraufhin der nur verschmitzt meinte, 1600erMotor und Vollsyncrongetriebe.


Erkenntnis des Tages: Deutsch sprechende Italiener sind sehr, sehr sympathisch!


Schlussbetrachtung und Tipps für Tunesienfahrer:


Angesichts der Dominanz von über  40-jährigen Autos mit dem Löwen am  Grill im tunesischen Straßenverkehr möchte man annehmen, dass  Tunesien seine Unabhängigkeit einzig und allein mit der Zusage – Unmengen an PKW`s und Mopeds dieser Marke abzunehmen- erkauft hat. Im Kleingedruckten des Vertrages muss dann jedoch auch noch gestanden haben, dass das Führen dieser Fahrzeuge erst nach „erfolgreichem Besuch“ einer Fahrschule nach französischem Vorbild gestattet ist. Anders lassen sich die allerorts chaotischen Fahrweisen , der unbedingte Gebrauch der Hupe, das Zuparken a-la Frankreich und die völlige Ignoranz dessen durch die Polizei nicht erklären. Der technische Zustand der Fahrzeuge scheint wenn überhaupt nur im Falle eines Unfalls relevant zu sein. Die Trillerpfeife ist für den Polizisten übrigens mindestens so wichtig wie für den Verkehrsteilnehmer die Hupe. Allerdings fällt es unsereins anfangs schwer das Trilleralphabet zu verstehen. Schnelles trillern hintereinander weg würde so manchem anständigen Deutschen dazu animieren die Bremse zu betätigen. Dieses Fehlverhalten könnte in Tunesien einen klassischen Auffahrunfall verursachen, denn gemeint ist- gib Gas Junge!!! Unbedingt zu beachten ist auch das Zusammenspiel von Trillerpfeife und mehr oder weniger hektischen Handbewegungen der Ordnungshüter. Da die Vielzahl der möglichen Kombinationen dieser akustischen und optischen Signale den Mitteleuropäer doch vor eine gewisse Herausforderung stellt, ist es immer ratsam, mit zumindest einem Auge die Reaktionen der einheimischen Mehrheit zu erfassen und sein eigenes Fahrverhalten entsprechend den sich ergebenden räumlichen Möglichkeiten anzupassen. So wie Lenin einst den Russen die Elektrifizierung des gesamten Landes versprach, muss die Mobilität der Massen mittels Moped ein ähnlich hohes Ziel in Tunesien gewesen sein. Dabei sind die im Einsatz befindlichen Gefährte konsequent nach den Prinzipien des Leichtbau`s konzipiert und somit seitens Hersteller nur für 1-Mann/Frau-betrieb vorgesehen. Unter Missachtung aller im Rahmen der Konstruktion eingebrachten Sicherheitsfaktoren erfolgt durch Montage zeitgemäßen Zubehörs die Nachrüstung mit hinteren Fußrasten an der Schwinge sowie überlangen Gepäckträgern. Derart verschlimmbesserte Familiengefährte im 1-bis 3-Personenbetrieb sind es dann auch, die in teilweise artistischen Übungen, die Grenzen der Physik auslotend auch den letzten Verkehrsraum ausfüllen. Das geschieht mit einem ständigen Lächeln im Gesicht und ohne Helm-denn sonst könnte man das Lächeln ja nicht sehen.

Am  Ende unseres Reiseberichtes möchten wir auf gar keinen Fall versäumen, den Organisatoren ein ganz ganz herzliches Dankeschön zu sagen , insbesondere Peter Lindner, er hat schon sehr lange im Vorfeld der Reise viel Organisationsarbeit geleistet und uns Teilnehmer ständig auf dem Laufenden gehalten! Weiterhin Mouldi Oueslati, unser Reiseleiter vom Reisebüro „Sahara- Reisen, Mouldi Oueslati“, Bad Salzuflen. Als Einheimischer ist ihm  jede Ecke des Landes vertraut und er kennt überall  die wichtigsten Leute! Für jedes Problem hatte er ein offenes Ohr, sei es Reiseschecks tauschen oder Teppich kaufen, Mouldi hat einfach alles möglich gemacht! Darüber hinaus auch ein herzliches Dankeschön unseren Wüstenführern Ibrahim? und Sachran, was übersetzt „Wüstensohn“ heißt.  Beide sorgten dafür, dass wir während der Wüstenfahrten immer die richtige Richtung eingeschlagen haben und sicher, sowie pünktlich an unsere Ziele gelangt sind.


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